The Art of Visual Storytelling

Aktualisiert: vor 3 Stunden

The Story behind the Sound of waveBEACH · EPISODE 4 / 5
Aloha, Ayani del Rey.
Wenn Musik Bilder bekommt. Über Kreativität, künstliche Intelligenz und die Kunst, Natürlichkeit zu bewahren. Manche Menschen denken in Melodien. Andere sehen Geschichten in Bildern. Und dann gibt es Menschen wie Ayani del Rey, die aus einer Melodie eine ganze visuelle Welt entstehen lassen können.
Ayani und Kono sind gemeinsam auf Hawaii aufgewachsen und sind beste Freundinnen seit Kindertagen, also kennen sich schon lange, bevor ich 2023 in Barcelona Teil unserer Geschichte wurde. Dass sie heute auch kreativ miteinander arbeiten, erscheint mir deshalb fast selbstverständlich. Sie vertrauen einander und bringen ganz unterschiedliche Fähigkeiten in die Projekte ein.
Als wir Ayani bei “Barefoot on the Beach” besuchen, geht es natürlich um ihre Arbeit und um den Sound of the Beach. Aber wer uns drei kennt, kann sich vorstellen, dass es nicht lange bei einem sachlichen Gespräch bleibt. Wir reden, lachen, tauschen Ideen aus und kommen dabei immer wieder auf die Frage zurück, wie aus Musik Bilder werden.

Farben, Formen und ein bisschen Understatement
Ayanis künstlerische Ader kommt nicht von ungefähr. Ihre Mutter ist Malerin und schon als Kind verbrachte Ayani viel Zeit in ihrem Atelier. “Ich habe schon sehr früh mit Farben und Pinseln “experimentiert”, später verschiedene Dinge ausprobiert und so meine kreative Neugier befriedigt”, sagt Ayani. Wenn es ums Malen oder Zeichnen geht, schätzt sie ihre Fähigkeiten allerdings eher bescheiden ein. “Als Malerin Karriere machen? Dafür war ich nicht gut genug”, meint sie und lacht.
Am Computer sieht die Sache offenbar anders aus. Mit KI-Werkzeugen sowie Foto- und Videoprogrammen allerdings, wie sie es selbst formuliert, “…komme ich ganz gut klar“. Das ist eine dieser charmanten Untertreibungen, die man erst dann richtig einordnen kann, wenn man ihre Arbeit sieht. Es war jedenfalls nur konsequent, dass Ayani Grafikdesign studierte und ihre kreative Heimat schließlich in der digitalen Bildgestaltung fand. “Hier kann ich mit visuellen Ideen experimentieren, Bildwelten entwickeln und unterschiedliche Elemente zu einer eigenen Sprache verbinden”, erläutert Ayani.
Wenn Musik sichtbar wird

Für den Sound of the Beach treffen kreative Welten aufeinander: Konos Musik und Ayanis visuelle Vorstellungskraft. Aus einem musikalischen Konzept mit unterschiedlichen Varianten und Stimmungen entstehen Coverdesigns, Videoclips, Fotoserien und weitere visuelle Elemente. Jedes Format stellt andere Anforderungen.
Ein Cover muss auf den ersten Blick funktionieren. Ein Video kann sich entwickeln, Stimmungen aufbauen und mit Rhythmus arbeiten. Eine Fotoserie erzählt ihre Geschichte Bild für Bild.
Ayani übersetzt die Musik dabei nicht einfach in hübsche Motive. Sie sucht nach Bildern, die das Gefühl hinter dem Klang aufgreifen und weitertragen. “Es geht uns darum, eine visuelle Identität zu schaffen, die zum Sound passt und sich über verschiedene Medien hinweg wiedererkennen lässt“, sagt Ayani. Das Spannende daran: Die Bilder müssen nicht alle gleich aussehen. Sie sollen unterschiedliche Facetten zeigen dürfen – und trotzdem erkennbar zu derselben Welt gehören.
Zwischen KI und echter Fotografie
Künstliche Intelligenz eröffnet Ayani neue Möglichkeiten, Bildideen auszuprobieren, ungewöhnliche Kombinationen zu entdecken und visuelle Konzepte weiterzuentwickeln. Doch ein Werkzeug allein schafft noch keinen Stil. Die eigentliche Arbeit liegt in der Auswahl, im Feingefühl und in der Entscheidung, was zu einer Geschichte passt – und was eben nicht. Welche Stimmung soll ein Bild transportieren? Was darf surreal sein? Wo braucht es Zurückhaltung? Und wann ist es besser, eine Idee nicht weiterzuverfolgen?

Gerade bei der Illustration eines musikalischen Konzeptes ist das entscheidend. Die visuelle Welt soll kreativ und eigenständig sein, aber nicht künstlich oder austauschbar wirken. Sie braucht Persönlichkeit und einen Stil, der sich entwickeln und etablieren kann. “Ein wunderbarer Bezugspunkt ist dabei die reale Fotografie unserer gemeinsamen Freundin Milla Kailani. Ihre Bilder schlagen eine Brücke zwischen echten Momenten und den digitalen Welten, mit denen wir kreativ arbeiten. Es geht nicht darum, das eine gegen das andere auszuspielen. Vielmehr können beide Ansätze einander ergänzen und neue Möglichkeiten des visuellen Erzählens eröffnen“, erklärt Ayani. Das ist ehrlich. Denn nicht alles, was technisch möglich ist, ist auch sinnvoll. Und nicht jedes Bild wird besser, wenn man es weiter bearbeitet. “Für mich liegt genau darin der künstlerische Ansatz: digitale Möglichkeiten so einzusetzen, dass die Natürlichkeit nicht verloren geht”, sagt Ayani.
Drei Freundinnen, drei Perspektiven
Während unseres Besuchs bei “Barefoot on the Beach” wird mir wieder bewusst, wie unterschiedlich unsere kreativen Rollen sind. Kono entwickelt den Klang. Ayani gibt ihm eine visuelle Form. Ich beschäftige mich mit den Worten, den Geschichten und der Kommunikation, die alles miteinander verbinden. “Auf dem Papier klingt das nach einer klaren Aufteilung. In Wirklichkeit sind die Grenzen fließend. Wir alle bringen Ideen ein, reagieren aufeinander und entdecken manchmal erst im Gespräch, wohin sich etwas entwickeln könnte“, sagt Kono. Dass wir uns auch als Freundinnen so gut verstehen, macht diese Zusammenarbeit zu etwas ganz Besonderem. Gleichzeitig muss nicht jeder private Moment Teil des Projekts werden. Wir genießen es, gemeinsam kreativ zu sein und genauso, einfach etwas Zeit miteinander zu verbringen. Am Ende geht es nicht darum, alles perfekt durchzuplanen. “Es geht immer darum, eine gemeinsame Richtung zu finden und jeder von uns den Raum zu lassen, ihre eigene Stärke einzubringen“, ergänzt Ayani.

The Art of Visual Storytelling
Was ich von unserem Treffen mitnehme, ist die schöne Erinnerung daran, dass Kreativität nicht an einer bestimmten Technik hängt. Sie kann mit Farben im Atelier beginnen, sich über ein Grafikdesignstudium weiterentwickeln und schließlich in digitalen Bildwelten ihre eigene Form finden. Entscheidend ist nicht, welches Werkzeug man benutzt. Entscheidend ist, was man damit erzählen möchte.
Für das Projekt mit Kono und Ayani bedeutet das: Die Musik bekommt Bilder, ohne ihre Atmosphäre zu verlieren. Reale Fotografie und KI-gestützte Gestaltung finden eine gemeinsame Sprache. Und aus einzelnen Covern, Clips und Fotoserien wächst Schritt für Schritt eine visuelle Identität. Kono gibt dem Projekt seinen Klang. Ayani lässt diesen Klang sichtbar werden. Und ein paar Titel- und Textideen darf auch ich beisteuern. Gemeinsam entdecken wir, wie aus unterschiedlichen kreativen Welten etwas entstehen kann, das viel mehr ist als die Summe seiner Teile.



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