Schneemann oder Strandbar
- Hannah Nieta

- 16. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 16. Dez. 2025
Weihnachten – Sand, Schnee oder einfach nur Stille. Alle Jahre wieder… nicht nur das Christuskind, die Schwiegermutter oder “Last Christmas” auf Dauerschleife – sondern auch diese eine, immer gleiche Frage…
“Und? Sandstrand oder Winterwald?”
Als gäbe es für Weihnachten nur diese zwei Optionen. Als müsse man sich unbeding entscheiden. Als wäre das ein Persönlichkeitstest mit unmittelbaren Konsequenzen für den eigenen Charakter. Schnee-Menschen gelten als romantisch, traditionsbewusst und latent anfällig für Duftkerzen. Strand-Menschen dagegen als lebenslustig, sonnengebräunt und innerlich längst von Glühwein auf Caipirinha umgestiegen. Und dann gibt es noch die dritte Gruppe: Die, die eigentlich nur ihre Ruhe wollen, aber das sagt man ja nicht so direkt.

Team Schnee: Romantik mit Frostbeulen
Weihnachten im Schnee: Knarrende Schritte, dampfender Atem, Lichterketten, die gegen eine weiße Kulisse ankämpfen. Ein Traum. Zumindest auf Fotos. In der Realität bedeutet das oft: drei Paar Socken, von denen trotzdem immer eines nass ist, beschlagene Brillen, ein Pullover hat immer ein Loch und die Diskussionen darüber, ob “Winterzauber” auch bei minus zwölf Grad noch als Zauber gilt oder schon Körperverletzung ist.
Natürlich gehört dazu der Spaziergang durch den kalten, verschneiten Wald, der exakt so lange romantisch ist, bis jemand fragt, warum man das eigentlich macht, während andere Menschen gerade in warmen Wohnungen sitzen. Und trotzdem: Der erste Schluck Glühwein nach dem Frieren? Unschlagbar. Das Knacken des Kaminholzes? Herzöffnend. Der Gedanke, dass Weihnachten ohne Schnee “kein richtiges Weihnachten” sei, hält sich hartnäckig – vor allem bei Menschen, die in den letzten zehn Jahren exakt einmal Schnee an Heiligabend erlebt haben.
Team Strand: Tannenbaum trifft Sonnenbrand
Weihnachten am Strand ist der große Gegenentwurf. Flip-Flops statt Filzpantoffeln, Sonnencreme statt Heizstrahler, Cocktailglas statt Christbaumkugel. Hier wird Weihnachten neu interpretiert – und das mit voller Absicht. Der Weihnachtsmann trägt plötzlich Badeshorts, das Rentier hat frei und die größte Herausforderung besteht darin, Schatten zu finden, während irgendwo im Hintergrund Sinatras “Silent Night” aus einer Strandbar dudelt. Und natürlich wird man gefragt: “Aber fehlt da nicht das Weihnachtsgefühl?” Kurze Antwort: Nein.
Nichts relativiert perfekt gedeckte Festtafeln, stundenlange Küchenarbeit und Familientraditionen wie 30 Grad bei blauem Himmel, Meeresrauschen und die Erkenntnis, dass Lebkuchen auch am Strand schmecken. Und ja – es fühlt sich kurz seltsam an, mit Sand zwischen den Zehen “Frohe Weihnachten” zu sagen. Aber dieses Gefühl verschwindet ungefähr in dem Moment, in dem klar wird, dass man keine Winterjacke braucht und die Autotür nicht zugefroren ist.
Oder beides?
Dann gibt es noch die Königsdisziplin: Erst Schnee, dann Strand. Oder umgekehrt. Menschen, die am 24. noch im Wollpulli am Kamin sitzen und am 25. bereits mit Sonnenbrille am Flughafen stehen. Das ist kein Reisestil – das ist Eskapismus mit Plan. Diese Menschen wissen: Weihnachten ist kein Ort. Kein Wetter und kein Dresscode. Weihnachten ist der Moment, in dem man kurz innehält – egal ob mit Glühwein oder Caipirinha.
Kuriositäten und Sarksmus – wie jedes Jahr
Jemand wird immer erklären, dass früher alles anders war und dass Weihnachten “kommerziell” geworden ist, während er online Geschenke bestellt.
Die Schneefraktion meint, Weihnachten am Strand sei “kein richtiges Weihnachten”, friert aber jedes Jahr freiwillig für exakt dieselben Familien-Fotos.
Die Strandfraktion erklärt unterdessen, dass sie “dem Weihnachtsstress entflieht” – und postet dann 14 Stories vom perfekt dekorierten Hotel-Weihnachtsbaum.
Menschen am Strand behaupten, sie hätten “gar keine Erwartungen an Weihnachten” – außer Sonne, 28 Grad, Meerblick und gutes WLAN.
Jemand anderes wird überzeugt erklären, dass Weihnachten ohne Schnee traurig ist, während draußen Regen fällt und drinnen die Heizung auf 5 steht.
Am Strand heißt es: “Endlich mal Weihnachten ohne Traditionen.”
Im Schnee heißt es: “Ohne Traditionen ist es kein Weihnachten.”
Weihnachten ist inzwischen so individuell wie Playlists. Manche mögen es jazzig, manche lieben die “Monotonie in der Südsee”, manche drücken auf “Shuffle“ und hoffen auf den besten Mix. Ob Strand oder Schnee – oder irgendwo dazwischen: Jeder macht Weihnachten so, wie er es mag oder braucht. Mit Familie oder ohne. Mit Gans oder Garnelen. Mit Wollsocken oder Bikini.
Und wahrscheinlich ist genau das, das eigentlich Schöne daran. Weihnachten gibt heute nicht mehr vor, wie es zu sein hat – sondern bietet nur an. Und wer trotzdem diskutieren möchte: Bitte erst nach dem dritten Glühwein. Oder dem zweiten Cocktail mit Papierschirmchen.
Fröhliche Weihnachten. Egal wo.



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