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Voll verplant

  • Autorenbild: Hannah Nieta
    Hannah Nieta
  • vor 4 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 3 Tagen

Sommerurlaubsplanung mit Kindern beginnt nicht mit einer Idee, sondern mit einem Wunsch. Dem Wunsch, dass es dieses Jahr vielleicht einfacher wird. Schließlich sind sie ja älter. Oder zumindest anders anstrengend.


Urlaubsplanung mit der Familie ist kein Planungsprozess. Es ist ein emotionaler Hindernislauf mit Diskussionen über Reiseziele, Zimmeraufteilungen und der leisen Hoffnung, dass irgendjemand irgendwann einfach entscheidet. Urlaubsplanung mit Familie bedeutet Demokratie. Und Demokratie bedeutet meist: niemand ist zufrieden. Dabei will man doch nur alles richtig machen…


Urlaubsplanung
Urlaubsplanung

Alles beginnt meist ganz harmlos. Irgendwann im Februar. Draußen nieselt es, die Heizung gluckert, und plötzlich denkt man: “Dieses Jahr plane ich frühzeitig.” Man erinnert sich noch gut an die Zeit, als Urlaub hieß, alles mitzunehmen, was das Kind theoretisch innerhalb von fünf Minuten brauchen könnte: Windeln, Feuchttücher, Ersatzkleidung für die Ersatzkleidung und diesen einen Gegenstand, ohne den absolut gar nichts ging. Damals war klar: Der Urlaub richtet sich nach dem Mittagsschlaf, dem Abendritual und der Frage, ob man es rechtzeitig zurück ins Hotel schafft, bevor jemand völlig übermüdet beschließt, das Leben grundsätzlich abzulehnen.


Heute sind die Kinder größer. Man denkt: Jetzt wird es entspannter. Ein gefährlicher Gedanke. Denn größere Kinder brauchen zwar keine Windeln mehr, dafür aber WLAN, Privatsphäre, Essen im Zwei-Stunden-Takt und Aktivitäten, die “nicht langweilig” sind. Und langweilig ist alles, was man selbst gut findet.


Zielerfassung

Die eigentliche Planung beginnt meist mit der Auswahl des Reiseziels. Man klickt sich durch Blogs, Reiseportale und Instagram-Feeds und Bewertungen. Jeder Ort sieht perfekt aus. Jeder Ort ist “ein absoluter Geheimtipp” – außer, dass ihn offenbar soeben alle entdeckt haben. Dann kommen die Eisprüche. Spanien: zu heiß. Österreich: zu bergig. Italien: zu italienisch. Am Ende an die Ostsee…? Oder doch nur an den Badesee? Und dann bucht man etwas völlig anderes als geplant. Aus Prinzip. Oder aus Verzweiflung.


Früher musste es kinderwagentauglich sein. Heute muss es “nicht peinlich” und “nicht zu familienmäßig” sein. Gleichzeitig soll es sicher, übersichtlich, kinderfreundlich und bitte mit Pool. Meer wäre auch schön. Und gutes Essen. Und bitte kein Ort, an dem andere Familien entspannter aussehen als man selbst. Man diskutiert. Kleinkinder wollen planschen, größere Kinder wollen Action, Teenager wollen vor allem nicht sichtbar glücklich mit ihren Eltern sein. Als Elternteil versucht man, daraus einen Urlaub zu basteln, der allen gerecht wird. Spoiler: Man schafft es meist nie. Aber man gibt sich Mühe. Und das zählt doch. Angeblich.


Antwortsuche

Dann kommt die Frage: Entspannung oder Aktivurlaub? Früher bedeutete Aktivurlaub, dass man mit Kinderwagen über Schotterwege geschoben hat und stolz war, wenn man es bis zur Eisdiele geschafft hat. Heute plant man Wanderungen, Radtouren oder Städtebesichtigungen, die “auch für Kinder geeignet” sind. Ein Satz, der viel Hoffnung enthält und wenig Realität. Man möchte kulturell etwas mitnehmen, sich bewegen, aber auch entspannen. Am Ende ist alles aktiv. Außer man selbst. Man selbst ist nur müde. Man steht viel in Warteschlangen, hört oft den Satz “Wie lange noch?” und entspannt eigentlich erst abends – wenn alle anderen schlafen und man selbst zu geschafft ist, um noch wirklich zu genießen.


Verpackung

Das Packen ist auch so ein Kapitel für sich. Mit kleineren Kindern packt man zu viel. Mit größeren Kindern packt man das Falsche. Man nimmt Dinge mit, die niemand anzieht, und vergisst Dinge, die zuhause niemand nutzt, aber hier sofort vermisst werden. Irgendwer stellt immer fest, dass genau das eine Teil fehlt, ohne das der Urlaub eigentlich keinen Sinn mehr macht. Man lernt, ruhig zu bleiben. Nach außen zumindest. Vor Ort zeigt sich dann, wie flexibel man wirklich ist. Kleine Kinder wachen früh auf, große Kinder spät. Kleine Kinder wollen sofort los, große Kinder erstmal gar nichts. Mahlzeiten werden zu Verhandlungen, Ausflüge zu Kompromissen und Erholung zu einem Konzept, das man theoretisch kennt, praktisch aber nicht erlebt.


Wir erinnern uns

Und trotzdem – und das ist der Teil, über den man später spricht – entstehen diese Momente. Gemeinsames Lachen. Abende, an denen plötzlich alles passt. Augenblicke, in denen man denkt: Genau dafür machen wir das. Zurück zu Hause ist der Urlaub dann erstaunlich schnell verklärt. Die Müdigkeit bleibt, aber die Erinnerung wird weichgezeichnet. Man erzählt von den schönen Momenten, lacht über das Chaos und sagt diesen einen Satz, den man jedes Jahr sagt: “Nächstes Jahr planen wir früher”. Und irgendwo glaubt man das sogar ein kleines bisschen.


Unser Urlaubstipp: WAVE BEACH mit dem großen Aqua Fun Park im Ostseebad Boltenhagen…

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