“Sex sells” – gilt das noch?
- Hannah Nieta

- 21. Nov. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 26. Nov. 2025
Warum attraktive Bilder im Tourismus-Marketing immer noch funktionieren – und wie man sie clever und kreativ nutzt
Sommer, Sonne, glitzerndes Wasser, feiner Sand unter den Füßen und das Gefühl uneingeschränkter Freiheit. Egal ob entspannte Stunden am Badesee, ein Lebensgefühl an der Ostsee oder ein unvergessliches Event am Strand: Freizeit am Wasser verkauft sich über Emotionen. Und nichts transportiert diese Stimmung stärker als Bilder – insbesondere: Menschen in diesen Bildern.
Doch warum werben so viele Unternehmen mit attraktiven Menschen oder einem ganz bestimmten Typ? Ist das reines Klischee oder steckt tatsächlich Marketing-Power dahinter? Und wie kann man dieses Prinzip mit eigenem Branding, einem klaren Stil und der intelligenten Nutzung von KI-Bildgestaltung für ein Projekt wie WAVE BEACH erfolgreich einsetzen?
Tauchen wir ein…

Urlaubsgefühl ist Emotion
Marketing muss es sichtbar machen: egal ob Badesee oder Ostseestrand. Urlaub ist kein Produkt, das man sachlich verkauft. Urlaub ist ein Versprechen. Ein Lebensgefühl lässt sich nicht nur über Worte vermitteln. Bilder sind schneller, direkter und emotionaler. Ein Foto sagt nicht nur mehr als tausend Worte – es lässt auch mehr empfinden.
Nicht immer, aber immer noch
“Sex sells” ist kein oberflächlicher Spruch, sondern ein psychologisch gut belegtes Prinzip. Es geht nicht darum, kitschige Beach-Babe-Klischees zu bedienen, sondern um Attraktivität und Lebensfreude als Marketing-Code. Attraktive Menschen symbolisieren nicht nur Vitalität, sondern auch Selbstbewusstsein. Und Begehrlichkeit – nicht sexuell, sondern sozial. Wir wollen Orte erleben, die uns gut aussehen lassen, metaphorisch und real. Doch Tourismus verkauft keine Orte. Tourismus verkauft, wie wir uns an diesem Ort fühlen können. Wenn ein Mensch am Strand glücklich und schön aussieht, projizieren wir uns selbst in dieses Bild.
Das eigentliche Geheimnis sind echte Menschen. Es geht gar nicht um die Models. Es geht um Authentizität. Wer mit echten Menschen arbeitet verkauft kein Stockfoto-Klischee, sondern ein Erlebnis mit Persönlichkeit. Daher wird Eigenständigkeit zur neuen Währung im Marketing: Jeder Strand sieht irgendwie gleich aus. Menschen und Momentaufnahmen machen ihn einzigartig.
KI als kreative Ergänzung

Stockfotos? Kennen wir alle. Und je öfter wir ähnliche Bildwelten sehen, desto weniger wirken sie. Professionelle Fotografie mit KI kombiniert ermöglicht heute einen unverwechselbaren Look. Stil statt Austauschbatkeit. Die Kombination kann ikonische Markenfiguren schaffen.
Der Übergang ist oft fließend. Mit KI gestalteter Content in perfekter Stimmung und Beleuchtung, schöne Gesichter und Körper ohne Models zu buchen, außergewöhnliche und wiedererkennbare Szenen, die sich von der Masse abheben – wie das Mädchen unter Wasser mit dem iPad. So entsteht ein Brand Look, der sowohl natürlich als auch ästhetisch wirkt. Nicht beliebig sexy, sondern stylish, sportlich, speziell. Das ist eben nicht ”Sex sells” im Klischee, sondern Personality sells.
Wenn der Strand schläft
Der Sommer ist flüchtig, das Urlaubsgefühl muss es nicht sein. Während die Wellen im Winter ruhiger werden und der Ostseestrand unter grauem Himmel schläft, beginnt die heiße Phase des Marketing: Der Winter ist das Schaufenster des Sommers. Jetzt wird Sehnsucht zur Strategie.
Traumhafte Strandfotos, attraktive Menschen in anmutigen oder außergewöhliche Beach-Szenen und sonnige Lifestyle-Vibes wirken im Winter wie ein Versprechen: Bald wird es wieder heiß. Genau deshalb scrollen wir an kalten Tagen besonders gerne durch Bilder, die dieses Lebensgefühl vermitteln. Die Kombination aus Sand, Wasser, Sonne und sinnlicher Ausstrahlung erzeugt ein Gefühl von Vorfreude. Fast wie Sommerferien im Kopf. Und hier liegt das Potenzial: im Sommer fotografieren und KI-veredeln – im Winter Träume verkaufen. Mit inspirierenden und ästhetischen Bildwelten eine Identifikation mit der Marke aufbauen. Events, Strand-Tickets und App-Nutzung über Emotionen triggern. Sexy trifft Sehnsucht. Und Sehnsucht verkauft Sommer. So entsteht ein Jahreszyklus. Echte Fotos und KI-Optimierung im Sommer, Marketing mit heißem Lifestyle im Winter. Keine leeren Versprechungen, sondern ein visueller Countdown zur nächsten Welle.
Corporate Design braucht Klarheit, nicht Gefälligkeit
Allerdings, Markenkommunikation ist keine moralische Dekoration. Sie dient nicht dazu, möglichst vielen gesellschaftlichen Erwartungen gerecht zu werden, sondern einen klaren Lifestyle und eine klare Emotion zu verkaufen. Besonders im Tourismus-Marketing geht es nicht darum, eine moralische oder soziale Checkliste zu bedienen, sondern ein Lebensgefühl zu gestalten, das zur Marke passt.
Sexy Strandmarketing funktioniert nur, wenn es stimmig bleibt. Wenn eine Marke wie WAVE BEACH, sich für Bildwelten entscheidet, die sexy, jung, sportlich, elegant und sinnlich sind, dann tut sie das nicht, um Menschen auszuschließen, sondern um eine bestimmte Stimmung zu transportieren: Freiheit am Strand, Sonnenbräune, Sport, Bewegung, ein ästhetischer Lifestyle. Diese Attribute lassen sich nicht beliebig austauschen oder weichspülen. Ein Corporate Design wird durch Eigenständigkeit und Wiederholung stark, nicht durch Beliebigkeit.
Warum Zwang zur Vielfalt schnell unecht wirkt
Viele Marken posten ausgewählte Personengruppen – nicht aus Überzeugung, sondern weil sie glauben, es tun zu müssen. Das führt zu symbolischer Vielfalt, die nicht gelebt wird und identitätslosen Bildern, die austauschbar wirken – nur um anderen gerecht zu werden. Falsche Toleranz im Brand Marketing führt aber häufig zu Widersprüchen mit dem Produkt, zum Verlust der Corporate Identity und zu Umsatzrückgang. Wenn Vielfalt nur dazu dient, Kritik zu vermeiden, entsteht keine echte Marke, sondern nur eine Marketinghülle. Konsumenten spüren das. Menschen kaufen keine moralische Botschaft. Sie kaufen ein Lebensgefühl – insbesondere bei der Urlaubsplanung. Deshalb rudern viele Unternehmen allmählich wieder zurück.
Corporate Design muss begehrlich sein, nicht beliebig
Starke Marken sind nicht demokratisch in ihrer Bildwahl. Sie sind fokussiert. Beispiele dafür sieht man weltweit:
Red Bull ~ Extremsport, Adrenalin, jung und athletisch
Victoria’s Secrets ~ Feminin sexy, nicht neutral
Quiksilver ~ Surf-Lifestyle, jung, sportlich
Keine dieser Marken versucht, alle abzubilden. Warum nicht? Weil ein Lifestyle ohne klare Zielgruppe kein Lifestyle ist.
Fazit: Marketing, das auch sexy Strandmomente verkauft, erfordert eine klare Ästhetik
Die Ästhetik der verwendeten Bilder und Illustrationen darf nicht durch gesellschaftliche Erwartungen verwässert werden, sondern muss zur Atmosphäre passen – Wasser, Sand, Sonne, sportliche Körper, ästhetische Haut, hübsche Gesichter. Sie muss zur Zielgruppe passen – Strandliebhaber, Wassersportler, Familien. Und sie muss die Emotion unterstützen die entscheidend sein kann für die nächste Urlaubsbuchung. Das ist keine Ausgrenzung. Das ist Fokussierung auf ein klares ästhetisches Erlebnis. Marken, die gefallen wollen, wirken austauschbar. Marken, die begehrlich sind, werden geliebt.


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