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Sauberkeit am Strand

  • Autorenbild: Ingo Popp
    Ingo Popp
  • 13. Juli
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 15. Juli

Wie viel Müll erträgt ein Strand eigentlich…? Es ist nicht schön, wenn der Strandtag mit Müllbeseitigung beginnt. Es gibt Themen, über die jedes Jahr gesprochen wird. “Halte den Strand sauber”, “Nimm deinen Müll wieder mit” oder “Schütze das Meer”. Eigentlich sollte das alles selbstverständlich sein.


Keep the Beach Clean
Selbstverständlich?

Die Realität etwas anderes. Nach mehreren Besuchen im Juni dieses Jahres am Ostseestrand von Boltenhagen bleibt vor allem ein Eindruck: Es gibt erschreckend viele Menschen, denen Sauberkeit und Rücksicht völlig gleichgültig ist. Morgens, wenn die ersten Spaziergänger den Strand betreten, liegt dort nicht nur eine vergessene Getränkedose oder ein einzelnes Taschentuch. Man findet Zigarettenkippen, Bierflaschen, Verpackungen, Chipstüten, Essensreste, Plastikbesteck, blutige Taschentücher, Tampons, und Unterwäsche. Die Frage lautet deshalb nicht mehr, ob Müll am Strand ein Problem ist, sondern: wie viel Müll kann ein Strand eigentlich ertragen?


Der Strand ist kein Mülleimer

Ein Strand wirkt groß. Unendlich manchmal. Genau das scheint viele Menschen zu einem fatalen Irrtum zu verleiten. Nach dem Motto: “Hier fällt mein bisschen Müll doch gar nicht auf”. Doch genau dieses “bisschen” summiert sich. Aus einer Flasche werden hundert. Aus einer Kippe werden tausende. Aus einer liegen gelassenen Tüte entsteht ein Strand voller Plastik. Wind, Regen und die Ostsee erledigen den Rest. Plastik zerfällt zu Mikroplastik. Lebensmittelreste locken Tiere an.Glasscherben werden zur Gefahr für Kinder und Hunde. Was am Abend achtlos liegen bleibt, verschwindet eben nicht einfach.


Analphabeten und Ignoranten

Schilder helfen nur denen, die sie auch lesen wollen – gehen wir mal davon aus, dass sie es können. An vielen Stränden stehen Hinweisschilder. “Bitte keinen Müll hinterlassen” oder “Den Müll bitte wieder mitnehmen”. Die Absicht ist gut. Die Wirkung leider oft überschaubar. Denn wer bereit ist, seine Bierflaschen einfach im Sand stehen zu lassen, wird sich von einem Schild kaum umstimmen lassen. Das Problem ist nicht fehlende Information. Das Problem ist fehlender Respekt. Die 20 m zum nächsten städtischen Mülleimer sind aber auch wirklich eine Zumutung (Sarkasmus Ende).


Rücksichtslosigkeit kennt weder Alter noch Herkunft

Wer regelmäßig an Stränden unterwegs ist, stellt schnell fest: Rücksichtsloses Verhalten gibt es in ganz unterschiedlichen Gruppen. Da sind Jugendliche oder junge Erwachsene, die ihr einfach ihr Leben feiern, Musik hören und anschließend Flaschen, Dosen, Kippen und Verpackungen einfach liegen lassen. Frei nach dem Motto: “Irgendjemand wird das schon wegräumen.”


Ebenso gibt es größere Familien- oder Freundesgruppen – unabhängig von ihrer Herkunft, die den Strand wie ein Freiluft-Esszimmer nutzen. Daran ist grundsätzlich nichts auszusetzen. Strände sind für alle da. Problematisch wird es erst dann, wenn nach dem Picknick die Essensreste, das Einweggeschirr, sämtliche Verpackungen und sonstiger Müll einfach im Sand zurückbleiben.


Leider haben wir genau solche Situationen mehrfach beobachtet. Und genau dieses Verhalten ist das eigentliche Problem. Nicht die Sprache. Nicht die Nationalität. Nicht das Alter. Sondern die fehlende Bereitschaft, den eigenen Müll wieder mitzunehmen. Ignoranz und Respektlosigkeit. Wer den Strand nutzt, trägt auch Verantwortung für ihn. Das ist vielen aber völlig gleichgültig.


Die eigentlichen Leidtragenden

Die ersten Opfer dieses Verhaltens sind oft gar nicht die Urlauber, die Familien. Es sind die Mitarbeiter am WAVE BEACH. Während andere ihren Urlaub genießen, beginnen sie ihren Arbeitstag damit, den Müll anderer Menschen einzusammeln. Müll, der niemals hätte dort liegen dürfen. Auch Tiere leiden darunter. Möwen fressen Plastik. Hunde verletzen sich an Glasscherben. Fische nehmen Mikroplastik auf. Am Ende landet genau dieses Plastik wieder in unserer Nahrungskette.


“Ist doch nur eine Kippe” – kaum ein Abfall wird so sehr unterschätzt wie die Zigarettenkippe. Sie sieht klein aus. Ist sie sie nicht. Eine einzige Kippe enthält zahlreiche Schadstoffe und besteht aus einem Kunststofffilter, der viele Jahre benötigt, um sich zu zersetzen. An stark besuchten Stränden kommen an einem einzigen Sommertag schnell Tausende Kippen zusammen. Wer glaubt, eine Kippe verschwinde einfach im Sand, irrt gewaltig.


Verantwortung beginnt nicht bei den anderen

Es ist leicht, auf die anderen zu zeigen. Schwieriger ist es, selbst Verantwortung zu übernehmen. Dabei wäre die Lösung oft erschreckend einfach: Müll einsammeln. Flaschen mitnehmen. Kippen in einen Taschenaschenbecher stecken. Und einfach mal den Kopf einschalten: den Platz so verlassen, wie man ihn selbst vorfinden möchte. Mehr braucht es nicht.


Reicht Freiwilligkeit noch aus? Diese Frage darf man durchaus stellen. Seit Jahren wird appelliert. Seit Jahren werden Hinweisschilder aufgestellt. Seit Jahren stehen. Haufenweise Mülleimer am Strand – mancherorts sogar spezielle Müllboxen für Pizzaschachteln. Und dennoch, findest du am Morgen die Schachtel im Sand. Seit Jahren laufen Aufklärungskampagnen. Und trotzdem sieht man jeden Sommer dieselben Bilder. Vielleicht reicht gutes Zureden allein nicht mehr aus. Wo vorsätzliche Vermüllung stattfindet, sollten bestehende Regeln konsequent kontrolliert und Bußgelder tatsächlich verhängt werden. Nicht als Selbstzweck, sondern weil Rücksichtslosigkeit nicht folgenlos bleiben sollte. Denn wer öffentliche Orte bewusst verschmutzt, verursacht Kosten für alle anderen.


Der Strand gehört uns allen

Ein Strand ist kein privates Grundstück. Er gehört niemandem allein. Gerade deshalb trägt jeder Einzelne Verantwortung. Ob Einheimischer, Tagesgast oder Urlauber – jeder hinterlässt Spuren. Die Frage ist nur: Möchten wir Fußspuren hinterlassen? Oder Müll? Denn am Ende entscheidet nicht die Gemeinde über die Sauberkeit eines Strandes. Sondern jeder einzelne Mensch, der ihn besucht. Und vielleicht sollten wir uns alle vor dem Nachhausegehen nur eine einzige Frage stellen: Würde ich meinen eigenen Garten so verlassen? Wenn die Antwort "Nein" lautet, dann sollte das auch für jeden Strand gelten.


Vermüllter Strand in Boltenhagen
Kommentar überflüssig.

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